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Geschichte

Die Bowling-Geschichte

1909 war für das Schieben auf zehn Kegel in Europa ein historisch wichtiges Jahr. Bruno Soderstrom (1881-1969), der durch seine Medaillen bei den Olympischen Spielen in den Jahren 1906 und 1908 eine Heldenfigur in Schweden wurde, gewann einige stockholmsche Kapitalanleger für den Aufbau von amerikanischen Kegelbahnen. Er hatte eben welche auf einem Besuch in New York gesehen. In demselben Jahr wurden zwei Bahnen dieser Art im Keller eines Gebäudes in der Rue de Sankt-Petersburg in Paris und auch 12 Bahnen für die "Weisse Stadt"- Ausstellung in London gebaut. Das Experiment scheiterte in Paris. In London wurden 1910 die Bahnen von der "Weissen Stadt" zum Picadilly Gebiet verlegt. Dies blieb auch erfolglos.

Das amerikanische Kegelspiel "überfiel" Europa wieder im Zweiten Weltkrieg, als die Kasernen in Grossbritannien wie auch in fast jedem anderen Land mit Kegelbahnen ausgerüstet wurden. Viele Zivilisten lernten den Sport kennen und bahnten dabei den Weg für die Gründung der Fédération Internationale des Quilleurs (FIQ) im Jahre 1954. Adolf Oesch, ein Schweizer Hotelbesitzer, war der erste Präsident. Im Grunde betonte die FIQ die Pflege der europäischen "Kleinkugelspiele", d. h. die Bohlen- und Scherenbahn. Nach der Entstehung der britischen "Ten-Pin Bowling Association" (Zehn-Kegel-Verein) im Jahre 1961, und nach der Aufnahme der Vereinigten Staaten in die FIQ in demselben Jahr, verbreitete sich das amerikanische Kegelspiel rasch in ganz Europa. Zwei FIQ-Weltmeisterschaftsspiele dieser Kegelart fanden in Europa statt: in Malmö, Schweden (1967) und in London (1975).

Man hat nicht ermitteln können, wer das amerikanische Kegelspiel "erfunden" hat. Die beliebteste Geschichte lautet, dass 1841 die Legislativbehörden in drei amerikanischen Bundesstaaten «das Kegeln mit neun oder weniger Kegeln» verboten haben (frühere Formen des Spieles wurden ja zu verschiedenen Zeiten in Europa wegen Wetten, Trinkgelagen und Pöbeleien verboten). Ein scharfsinniger Mensch hat das Gesetz umgangen, indem er einen zehnten Kegel hinzusetzte.

Es gibt aber ein Gemälde von einem Kegelspiel bei der Ransome Fabrik in Ipswich, England. Dieses zeigt deutlich zehn Kegel). Fabrik- und Stadturkunden deuten darauf hin, dass dieses Bild um 1810 gemalt wurde, also etwa drei Jahrzehnte vor dem erwähnten Ursprung des Zehn-Kegelspiels in Amerika.

Henrik Hudson, der holländische Entdecker des Manhattan Gebiets der heutigen Stadt New York, soll das europäische Neun-Kegelspiel als Unterhaltung für seine Seemänner mitgebracht haben. Die Holländer haben vielleicht auch mit zehn Kegeln gespielt. Niemand weiss es genau, obgleich es im 18. Jahrhundert eine grosse holländische Einwanderung in das Ipswich Gebiet von England gab.

Die Engländer folgten den Holländern nach Amerika und brachten ihre Rasenkugelspiele mit. Ein Gebiet im unteren Manhattan ist heute noch als «Bowling Green» (Kugelspiel-Rasen) bekannt. Obwohl das Bowls-Spiel keine Kegel verwendet, ist es im Prinzip eine Form des

Kegelns, denn man rollt die Kugel so gut wie möglich auf einen anderen Gegenstand oder auf eine Zielkugel. Dieses Spiel ist in Kanada, Australien und in den USA bekannt. Ähnliche Spiele sind "Boccia" in Italien, "pétanque" in Frankreich und «kas bols» in Belgien.

In den USA verdankt das Kegeln seinen Ursprung den grossen Wellen deutscher Einwanderer in den Jahren zwischen 1840 und 1890. Diese Leute kamen zum grössten Teil aus ländlichen Gebieten, wo das Schieben von Holzkugeln auf grobe Holzkegel eine einfache und wohlfeile Ablenkung darstellte. Fast überall, von Bremerhafen bis Wiesbaden, von Prag bis Stuttgart, stellte man neun Kegel in einem Quadrat auf. Eine der vier Ecken richtete sich auf die kugelschiebende Person.

Dieser Sport kam als erste Kegelart nach New York, wo im Jahr 1880 geschrieben wurde, dass man "das Geräusch der krachenden Kegel auf fast jeder Strassenecke im Bowery Gebiet bis nach Herald Square (Platz) hören konnte".

Andere Städte empfingen zahlreiche deutschsprachige Einwanderer - Milwaukee, Buffalo, Cincinnati, Chicago und St. Louis. Mit neuen Reisemöglichkeiten waren Rivalitäten eine natürliche Entwicklung in vielen Sportarten. Beim Kegelspiel war ein Mangel an einheitlichen Regeln und Zubehörvorschriften festzustellen. Die Breite und Länge der Kegelbahn war von Stadt zu Stadt und sogar innerhalb einer Stadt sehr verschieden. Oft diktierte das vorhandene Gebäude die jeweilige Grösse und Länge einer Kegelbahn.

Es gab keine Versuche, die Grösse einer Kugel zu regeln. Infolgedessen war es fast unmöglich, eine Vergleichsbasis für Fähigkeiten zu setzen oder Durchschnittswerte bei Wettbewerben zwischen Städten zu ermitteln.


Anonymus: Bowlingspieler vor der Kugelabgabe, Lithographie um 1900

Organisation

Die Gründung des "American Bowling Congress" bedeutete für das Kegeln einen grossen Schritt vorwärts. Dieser Verein wurde am 9. September 1895 ins Leben gerufen. Der ABC schaffte "Ordnung aus dem Chaos". Seit diesem Tag ist ein Kegel 15 Inches (38 Zentimeter) hoch, eine Kugel wiegt nicht mehr als 16 Pfund (7,3 Kilo) und eine Bahn ist 41 bis 42 Inches (104-106 Zentimeter) breit und das gilt weltweit.

Das amerikanische Kegeln gilt als Sport mit den meisten aktiven Anhängern der Welt. Man hat nie festgestellt, ob mehr Menschen an organisierten Fussballturnieren teilnehmen. Es steht jedenfalls fest, dass rund 10 Millionen Männer, Frauen und jugendliche in den von dem American Bowling Congress, dem "Women's International Bowling Congress" (Internationaler Bowling-Kongress für Frauen) und der "Young American Bowling Alliance" (Bund junger Amerikanischer Kegler) genehmigten Ligen kegeln. Diese Vereine wirken als Vorschriftsinstanzen für das Bowling in den USA, Kanada, in den amerikanischen Kasernen und in manchen Gebieten wie Puerto Rico und Guam.

In den 1880er und 1890er Jahren nannte man die Mannschaften 'Clubs'. Neben dem Bowling organisierten diese Vereine auch Tänze und andere vergnügliche Veranstaltungen. Oft kegelten die Frauen am Nachmittag, während die Männer noch an der Arbeit waren. Die Ligen entstanden aus dem natürlichen Trieb nach Konkurrenz. Heute spielen bei den Erwachsenenligen unter der Zuständigkeit des ABC oder WIBC (Frauen) jeweils l2 Mannschaften mit.


C G. Bush: Ein Zehner (ten strike), kolorierte Xylographie, USA 1885

Ursprünglich bestanden die Mannschaften fast immer aus fünf Männern oder fünf Frauen. Heute sind etwa 70% der vom ABC und WIBC genehmigten Ligen gemischt, d.h. Mannschaften mit Männern und Frauen. Oft spielen zwei von jedem Geschlecht, manchmal auch drei und zwei, um die traditionelle Fünfergruppe zu bilden.

Das Ligaspiel beginnt normalerweise Ende August oder anfangs September. Jede Mannschaft spielt drei oder vier Mal in der Saison gegen jede andere Mannschaft in der Liga, je nach der Zahl der teilnehmenden Teams. Die Saison dauert meistens bis Mai, was also 30 bis 35 Spielwochen ergibt.

Jugendliche von 14 bis 18 Jahren und auch jüngere Schüler haben ihre eigenen Ligen. Die Spielzeit beträgt hier 20 bis 25 Wochen.

Einst sah man die Amerikaner als 'Profis' an, denn sie kegelten für Geldpreise. Diese Ansicht hat sich weltweit geändert, da es sich erwiesen hat, dass eine kleine wöchentliche Anzahlung in den Preisfonds der Liga den Spass und die Konkurrenz auch für den Amateur steigert.


Anonymus: Internationales Bowling-Turnier Milwaukee 1905, Farblithographie

Erfolge

Für das Bowling werden in den Vereinigten Staaten einige Milliarden Dollar ausgegeben. Etwa 70 Millionen Amerikaner spielen mindestens ein bis zwei Mal im Jahr Bowling (davon fast 10 Millionen regelmässig in Ligen, die 30 oder 35 Wochen im Jahr spielen). Es gibt 8500 Bowling-Zentren, deren Bauwert um etwa $ 700 Millionen liegt.

Die meisten Bowlingzentren haben mindestens 24 Bowlingbahnen, obgleich es noch historische Stätten und Vereine mit zwei oder vier Bahnen gibt. Die zwei grössten Zentren haben 112 und 106 Bahnen. Viele andere haben 70 bis 100.

Die Automatisierung hat die amerikanische Bowlingindustrie angeblich gerettet. Bis 1951 stellte man die Kegel mit der Hand auf. Sie hiessen 'pinboys' (Kegeljungen) und kamen oft aus der unteren gesellschaftlichen Schicht. Sie waren jedoch selten zuverlässig, denn eine Nacht kamen sie und eine andere eben nicht.

Tatsächlich kann der menschliche Kegeljunge die Kegel schneller als die Maschine aufstellen. Dieses Tempo kann er aber nur einige Stunden durchhalten. Die Maschine dagegen kann, -wenn nötig, 24 Stunden kontinuierlich durchhalten. Die Turniere erregen grosses Interesse in den USA. Manche Kegelschieber reisen sehr weit, oft über den ganzen Kontinent, um ihre Fähigkeiten gegen andere zu erproben. Die jährlichen Nationalmeisterschaften des Internationalen Bowling-Kongresses für Frauen ziehen um die zwölftausend Fünfermannschaften in einem Jahr an, wovon manche Spielerinnen sogar aus Japan kommen.


Floretta Mc Cutcheon (1888-1967), die legendäre Bowlerin und rate Wander-Instruktorin des Bowling in den USA, Fotografie der 40-er Jahre



Anonymus:

"Crying towel", Jammerlappen mit Bowlingmotiven.
Rund um die Dame symbolische Bilder für schlechte Würfe. Dieses Tuch steht für ständigjammernde Bowler, eben Jammerlappen", USA 1907

Quelle: "Kegel und Kugel" Schweizerisches Sportmuseum Basel 1985

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